icon / home icon / small arrow right / light News icon / small arrow right / light Leben nach Sepsis: Was Betroffene wissen sollten
11 Sep. 2026 von jtischler

Leben nach Sepsis: Was Betroffene wissen sollten

Der World Sepsis Day am 13. September macht auf eine lebensbedrohliche Erkrankung aufmerksam, die viele Menschen noch immer unterschätzen. Denn mit dem Überleben einer Sepsis ist der Krankheitsverlauf für viele Menschen noch nicht vorbei: Körperliche, psychische oder kognitive Folgen prägen den Alltag oft noch lange weiter. Wie diese Langzeitfolgen besser verstanden und behandelt werden könne, beschäftigt auch die Forschung am Ludwig Boltzmann Institut für Traumatologie.

Wenn die Sepsis (nicht) vorbei ist

Für viele Betroffene endet die Belastung nicht mit der Entlassung aus dem Krankenhaus. Erschöpfung, Muskelschwäche, Konzentrationsprobleme, Schmerzen oder psychische Belastungen können den Weg zurück in den Alltag erschweren. Solche langfristigen Folgen werden als Post-Sepsis-Syndrom bezeichnet und können sich über Monate oder sogar Jahre erstrecken.

Wie sich diese Folgen besser verstehen und möglichst früh erkennen lassen, ist eine der zentralen Fragen des Forschungsprojekts BEATsepsis, an dem auch das Ludwig Boltzmann Institut für Traumatologie beteiligt ist.

Den eigenen Genesungsprozess verstehen

Die Erholung nach einer schweren Sepsis kann sehr unterschiedlich verlaufen. Manche Menschen gewinnen ihre Kräfte innerhalb weniger Wochen zurück, andere benötigen deutlich länger. Neben körperlichen Beschwereden können auch Konzentrations- und Gedächtnisprobleme oder Ängste und depressive Verstimmungen auftreten.

Besonders problematisch ist dabei, dass viele dieser Berschwerden unsichtbar in der Behandlung bleiben. Betroffene wissen oft selbst nicht, was mit ihnen passiert, können die Symptome nicht einordnen und erleben nicht selten, dass ihre Beschwerden – mitunter sogar von Fachpersonen – nicht ernst genommen werden. Ziel von BEATsepsis ist es auch, das Unsichtbare messbar zu machen und eine objektive Grundlage für Diagnose und Verständnis zu schaffen. Bis dieses Ziel jedoch erfüllt ist, bleibt eines entscheidend: breite Aufklärung. Dafür engagieren sich die Wissenschaftler:innen unter anderem in Schulworkshops, bei Vorträgen – etwa im Wiener Planetarium – sowie in Podcasts und Radioformaten. Zu Wort kamen sie beispielsweise im Fasynation-Podcast, in der Ö1-Sendung Dimensionen und bei Aftershock – still aLive.

🎧 Hier anhören:

Unterstützung finden – und nicht allein bleiben

Eine Sepsis zu überleben, ist ein entscheidender Schritt, den 20% der Patient:innen nicht schaffen. Für die Überlebenden beginnt danach jedoch ein neuer Abschnitt der Genesung. Wer mögliche Folgen kennt, Veränderungen ernst nimmt und sich rechtzeitig Unterstützung holt, kann diesen Weg besser bewältigen.

Ein wichtiger Teil der Genesung ist der Austausch. Im Rahmen von Vienna PICS auf LinkedIn haben sich Wissenschaftler:innen und klinische Expert:innen zusammengeschlossen, um die langfristigen Folgen nach einem Intensivaufenthalt besser zu verstehen und die Nachsorge weiterzuentwickeln.

Aus dem Netzwerk ist auch die Selbsthilfegruppe ReSTART hervorgegangen, in der sich ehemalige Intensivpatient:innen und ihre Angehörigen austauschen können. Die monatliche Online-Peergruppe bietet Betroffenen aus ganz Österreich die Möglichkeit, Erfahrungen zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen. Kontakt: crre@ivraancvpf.ng

Je mehr wir über die Folgen einer Sepsis wissen und je sichtbarer sie werden, desto besser können Betroffene ihren eigenen Genesungsprozess verstehen und Unterstützung finden. Forschung, Aufklärung und eine zunehmend vernetzte Nachsorge tragen dazu bei, dass Betroffene mit ihren Erfahrungen gesehen und ernst genommen werden.