04 Feb. 2026 von khirtenlehner

Junge Forschung, neue Ideen und österreichischer Winter: Die 13. TERMIS Winterschool in Radstadt

Auch dieses Jahr brachte die 13. TERMIS Winterschool internationale Expert:innen und junge Forschende im malerischen Radstadt im Salzburger Land zusammen. Mehrere Tage lang standen Austausch, Diskussion und neue Impulse im Bereich Tissue Engineering und Regenerative Medizin auf der Agenda – und auch Gemeinschaftsaktivitäten kamen nicht zu kurz.

Von klinischen Fragen zu innovativen Strategien

Traditionell begann die Winterschool mit einem Blick auf die klinische Praxis – denn Tissue Engineering beginnt am Krankenbett. Reale medizinische Herausforderungen bilden die Grundlage für viele Forschungsfragen im Feld. Die darauf anschließende Session „Advanced Strategies“ widmete sich der Frage, wie solche Herausforderungen mit modernen wissenschaftlichen Ansätzen adressiert werden können. Moderator Andreas Teuschl-Woller lud die Teilnehmenden zu einem Pitch-Wettbewerb ein: Junge Forschende präsentierten ihre Ideen, wie sich neue Strategien in ihre eigenen Projekte integrieren lassen. Studierende und Professor:innen gleichermaßen genossen den kreativen Austausch und den freundschaftlichen Wettbewerb.

Regeneration, Altern und zelluläre Dynamik

Ein weiterer Programmschwerpunkt lag auf dem Zusammenspiel von zellulärer Seneszenz und regenerativen Prozessen. Mikolaj Ogrodnik (LBI Trauma) und Julien Cherfils-Vicini (Université Côte d’Azur) zeigten dem Publikum, wie seneszente Zellen sowohl zur Entstehung altersbedingter Erkrankungen beitragen als auch regenerative Prozesse beeinflussen können. Ein gezieltes Ansprechen dieser Prozesse könnte möglicherweise sogar zur Prävention von Krankheiten beitragen.

Im Anschluss führte Lindsay Dawson (Texas A&M University) die Teilnehmenden in die faszinierende Welt der natürlichen Regeneration ein. Ihr Vortrag über Gelenkregeneration bei Säugetieren nach Amputation demonstrierte, wie das Verständnis natürlicher Regenerationsmechanismen im Tier auch Therapien für den Menschen inspirieren kann.

Poster-Session: Bühne für den wissenschaftlichen Nachwuchs

Wie jedes Jahr gab es auf der Winterschool die Möglichkeit für PhD-Studierende, ihre Forschung vorzustellen und Feedback von erfahrenen Wissenschaftler:innen zu erhalten. Beim geführten Poster-Rundgang präsentierten die Nachwuchsforschenden ihre Projekte im Bereich Tissue Engineering.

Natürlich durfte auch eine Auszeichnung nicht fehlen. Beim diesjährigen Best Poster Prize kam es zu einem seltenen Gleichstand, sodass gleich zwei herausragende Beiträge ausgezeichnet wurden: Eva Pecháčková für ihre Arbeit zur Rolle der zellulären Vorkonditionierung bei der therapeutischen Wirkung von MSC-abgeleiteten extrazellulären Vesikeln bei Osteoarthritis, sowie Paula Büttner für ihre Forschung zu hyaluronsäurebasierten Bioinks und der Reifung von Knorpelgewebe.

Eine besondere Atmosphäre schufen Heinz Redl und Philipp Heher, die mit ganz besonderen „Poster-Pitches“ zu österreichischen Weinen für angeregte Diskussionen unter den Teilnehmenden sorgten.

Nanotechnologie trifft Regenerative Medizin

Ein weiterer Programmpunkt widmete sich den Aktivitäten des NanoPrecMed Konsortiums und der Rolle von Nanotechnologie für das Verständnis biologischer Prozesse und des Alterns.

Vaclav Brázda (TU Brno) stellte G-Quadruplex-DNA-Motive vor – ungewöhnliche DNA-Strukturen, die möglicherweise als molekulare Lesezeichen im Genom dienen und sogar Hinweise auf die bemerkenswerte Langlebigkeit des Grönlandhais liefern könnten. Jaroslaw Jacak (FH Oberösterreich) zeigte, wie Rasterkraftmikroskopie genutzt werden kann, um Nanostrukturen sichtbar zu machen und das Verhalten extrazellulärer Vesikel bei der Interaktion mit Zellen zu untersuchen. Johannes Grillari (LBI Trauma) schlug schließlich die Brücke zur Altersforschung und erläuterte das Potenzial extrazellulärer Vesikel für die Diagnose und Behandlung altersbedingter Erkrankungen.

Auch der Weg von der Forschung in die Anwendung wurde thematisiert. In der Session „From Innovation to Implementation“ diskutierten das Biotech Startup TAmiRNA, Patentanwältin Gerda Redl und das neue LBI NVPM, wie wissenschaftliche Erkenntnisse den Weg vom Labor in konkrete medizinische Anwendungen finden.

Wissenschaft, Sport und Austausch

Neben dem wissenschaftlichen Programm gehört auch das Gemeinschaftserlebnis zur Winterschool-Tradition. Das diesjährige Social Event fand im typisch österreichischen Stil statt: ein Eisstockturnier, bei dem vier Teams gegeneinander auf dem Eis antraten.

Das Thema Sport fand schließlich sogar seinen Weg zurück ins wissenschaftliche Programm: Am letzten Tag nutzte Peter S. Zammit (King’s College London) das Eisstockschießen als anschauliches Beispiel, um zu erklären, wie verschiedene Muskelgruppen bei Bewegungen zusammenarbeiten. Philipp Heher (Newcastle University) ergänzte dies mit einem Vortrag über Muskelkrankheiten aus metabolischer Perspektive.

Das LBI Trauma freut sich über zahlreiche positive Rückmeldungen und blickt bereits mit Vorfreude auf die nächste Winterschool im Jahr 2027.

a. Wissenschaft, Diskussionen und Netzwerken im schönen Radstadt