Neue Richtlinien für Sepsisstudien – die MQTiPSS gewinnen an Aufmerksamkeit

(30.04.2019)

Die Häufigkeit von Sepsis nimmt weltweit zu. Trotz ständiger Verbesserungen der Diagnose und Behandlung verstirbt noch immer jeder vierte Sepsispatient. Während das Patientenmanagement nach aktuellen Richtlinien organisiert ist, behindert fehlende Standardisierung in präklinischen Sepsisstudien die Umsetzung neuer Forschungsergebnisse in die Klinik. Angesichts schwankender Qualität und widersprüchlicher Daten haben es Wissenschaftler oft schwer, die experimentellen Ergebnisse mit dem derzeitigen Wissensstand über die Pathophysiologie der Sepsis in Einklang zu bringen.

Die Wiggers-Bernard-Initiative, bestehend aus den führenden internationalen Experten der Sepsisforschung, widmet sich seit ihrer Wiener Konferenz 2017 diesen Defiziten. Koordiniert vom LBI Trauma identifizierte das Wiggers-Bernard-Team die wichtigsten Einschränkungen präklinischern Sepsis-Modelle und formulierte Richtlinien, um die Qualität und den translationalen Wert der präklinischen Forschung zu verbessern. Die „Minimum Quality Threshold in Pre-Clinical Sepsis Studies“ (MQTiPSS) wurden schließlich in einer Reihe von Artikeln in den Zeitschriften Shock, Infection und Intensive Care Medicine Experimental im Jahr 2018/19 veröffentlicht.

In der internationalen Forschungsszene gewinnt der von der Wiggers-Bernard-Initiative vorgeschlagene Ansatz stetig an Aufmerksamkeit. Zahlreiche Organisationen wie die International Federation of Shock Societies (IFSS), das Latin American Sepsis Institute (LASI), die European Shock Society (ESS) und die Europäische Gesellschaft für Intensivmedizin (ESICM) boten den MQTiPSS bereits eine Plattform, um die Verbreitung weiter zu fördern.

 

 

In einem aktuellen icTV-Interview von ESICM erläutert Marcin Osuchowski, Koordinator der Wiggers-Bernard-Initiative und Leiter der Intensivmedizin-Abteilung am LBI Trauma, die Auswirkungen der MQTiPPS auf präklinische Sepsisstudien. Neben dem Wunsch nach verbesserter Qualität und Vergleichbarkeit weist Dr. Osuchowski auch auf die Notwendigkeit hin, individualisierte Richtlinien für präklinische Modelle in bestimmten Forschungsbereichen (z. B. Sepsis, Trauma, Krebs, Arthritis) zu erstellen. In einem Podcast-Interview diskutiert er zusätzlich den Zusammenhang zwischen der durch die MQTiPSS ermöglichten Standardisierung, den neuesten Richtlinien für klinische Sepsis und der Sepsis-3-Definition.

Um die Verbreitung der MQTiPSS-Richtlinien zu erleichtern, hat ESICM zudem einen kurzen Animationsfilm erstellt, der das Konzepte leicht verständlich beschreibt.

Wie groß der Einfluss der Wiggers-Bernard-Initiative auf die Praxis zukünftiger Sepsisstudien sein wird,  muss sich erst herausstellen. Werden sie von der Wissenschaftsszene angenommen, haben die MQTiPSS-Richtlinien jedenfalls das Potential, die Qualität und Vergleichbarkeit präklinischer Sepsis-Modelle und damit die Translation wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Klinik zu beschleunigen - zum Nutzen der Patienten.