45 Jahre LBI Trauma: Retten, Reparieren, Regenerieren

Das Ludwig Boltzmann Institut für Traumatologie, das Forschungszentrum in Kooperation mit der AUVA, feiert sein 45 jähriges Bestehen. Der Name ist Programm: Gemeinsam mit der AUVA steht das Institut für die enge Verbindung von Forschung und Klinik. Die AUVA lud dafür zum “Tag der medizinischen Wissenschaften”, ein Fest für Wissen, Neugier und Zusammenarbeit.

Ein Treffpunkt für alle, die medizinische Forschung im Arbeitsalltag leben, begleiten oder neu entdecken wollen. Mit hundert Teilnehmenden aus Klinik, Verwaltung und Forschung war der “Tag der medizinischen Wissenschaften” am 9. Oktober restlos ausgebucht.

Das Programm spannte einen weiten Bogen von klinischen Studien und Ethikfragen über Prävention bis zur Translation von Forschungsergebnissen in die Versorgung. An mehreren Stationen konnten Besucher:innen selbst einen Blick in die Forschung werfen: Mikroskop, VR-Brille und (simuliertes) Mikro-CT machten wissenschaftliche Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar.

Organisiert wurde die Veranstaltung von Priv.Doz. Dr. Gerhard Fritsch, Leiter der Forschungsgruppe “Translationale Anästhesiologie und Schmerzmedizin” und Forschungskoordinator DDr. Johannes Zipperle, die mit dem Format ein zentrales Ziel verfolgten: den Dialog zwischen Forschung und klinischer Praxis zu fördern und die Hürden zur aktiven Mitarbeit an wissenschaftlichen Projekten zu senken.

Wenn Klinik und Wissenschaft zusammenarbeiten

Medizinischer Fortschritt lebt vom engen Austausch zwischen Labor und Klinik. Die Klinik kann sicherstellen, dass sie ihren Patient:innen die bestgeeignete Versorgung zur Verfügung stellt, und die Wissenschaft weiß, dass ihre Arbeit auch ankommt und Sinn macht.

„Die Forschung am LBI Trauma widmet sich der bestmöglichen Behandlung von Unfallpatient:innen in allen Phasen ihrer Genesung – von der Intensivmedizin bis zur vollständigen Regeneration. So kann die AUVA ihren Versicherten jene Versorgung bieten, die eine rasche Rückkehr in Alltag und Berufsleben ermöglicht.“ weiß Priv.Doz.Dr. Thomas Hausner zu berichten. Der langjährige ärztliche Leiter des AUVA Traumazentrum Lorenz Böhler, nun Primar der Orthopädie und Traumatologie am UKH Salzburg, ist seit vielen Jahren Co-Direktor des LBI Trauma.

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Dass Forschung kein Selbstzweck ist, sondern die tägliche Praxis prägt, bewiesen die Sprecher:innen am Tag der medizinischen Wissenschaften: Priv.Doz. Dr. Herbert Schöchl zeigte, wie entscheidend personalisierte Diagnostik für das Überleben Schwerverletzter ist und Priv.Doz.Dr. Marcin Osuchowski führte durch die Höhen und Tiefen der präklinischen

Sepsisforschung, mit deren Hilfe dieser lebensbedrohliche Zustand heute besser erkannt werden kann. Priv.Doz. Dr. Jakob Schanda präsentierte aktuelle klinische Ergebnisse zum Knochenaufbau nach einer Rotatorenmanschettenruptur, während Dr. Regina Brunauer demonstrierte, was Knochenheilung von natürlichen Regenerationsprozessen lernen kann. Dr. Peter Dungel erklärte anhand konkreter Beispiele, wie Präventionsforschung Risiken am Arbeitsplatz frühzeitig erkennt und Menschen bereits schützt, bevor etwas passiert.

Gute Forschung braucht auch den richtigen Rahmen. Dr. Stefan Strasser zeigte, warum klinische Studien Vertrauen und Vergleichbarkeit schaffen, Mag. Andrea Stockhammer erinnerte daran, dass wissenschaftliche Qualität immer auch Verantwortung bedeutet – gesichert durch die Arbeit der AUVA-Ethikkommission.

In den Vorträgen spiegelte sich das wider, was die Forschung am LBI Trauma seit 45 Jahren prägt: das Zusammenspiel von Grundlagenarbeit, klinischem Wissen und technologischem Fortschritt.

a. AUVA und Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft Seite an Seite: LBI-Trauma Direktor Johannes Grillari, Co-Direktor Thomas Hausner vom UHK Salzburg, LBG-Geschäftsführerin Marisa Radatz, LBG-Präsidentin Freyja-Maria Smolle-Jüttner, Forschungsgruppenleiter Gerhard Fritsch vom UKH Salzburg.

Blicke zurück …

Besonders bewegend war der Vortrag von Prof. Dr. Heinz Redl. Über fünf Jahrzehnte lang begleitet er die AUVA Unfallforschung – länger, als das heutige LBI Trauma überhaupt besteht. Historisch besonders bedeutend ist für ihn die Entwicklung von Applikatorsystemen für den Gewebekleber Fibrin in den 1970er Jahren. Was damals als experimentelle Idee begann, wurde zu einer medizinischen Standardanwendung, die bis heute Operationen sicherer und Wundheilung schneller macht.

Doch Redls Einfluss ging weit über die Labore hinaus. Unter seiner 20-jährigen Leitung entstanden internationale wissenschaftliche Netzwerke, die Forschung und Klinik bis heute verbinden. Damit legte er den Grundstein für das, was das LBI Trauma heute auszeichnet: ein Institut, das Wissen teilt, Zusammenarbeit fördert und Forschung als gemeinschaftliche Aufgabe versteht.

…. und in die Zukunft

Doch trotz aller Rückblicke blieb der Blick am Jubiläumstag nach vorn gerichtet. LBI Trauma Direktor Prof. Dr. Johannes Grillari betonte, dass Forschung nie stillsteht. Mit dem geplanten Forschungs- und Innovations-Hub Brigittenau soll die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Klinik und Wirtschaft künftig noch enger werden.

Ein Forschungsschwerpunkt der Zukunft liegt in der Alterungsforschung: Wenn Zellen altern, heilen Wunden langsamer, Knochen brechen leichter, die Regeneration stockt. Das Institut arbeitet an Strategien, um diese Prozesse zu verstehen und gezielt zu beeinflussen.

Zum Abschluss des Tages – und als Auftakt in die kommenden Jahrzehnte – stand ein Gefühl im Raum, das alle Beiträge verband: Forschung ist kein Selbstzweck. Sie ist gelebte Verantwortung. Denn was im Labor beginnt, kann im OP-Saal Leben retten, auf der Station Schmerzen lindern und in der Rehabilitation Hoffnung geben. Und manchmal entsteht daraus auch etwas, das man schwer in Zahlen fassen kann: das Vertrauen, dass Wissenschaft wirkt, weil sie Menschen verbindet.

a. Peter Dungel erklärt, wie Präventionsforschung Risiken am Arbeitsplatz frühzeitig erkennt, etwa im Fall von chemischen Gefahrenstoffen.