Tiefgefroren in die Zukunft?

Vor 50 Jahren ließ sich der Psychologieprofessor James Bedford als erster Mensch nach seinem Tod einfrieren, in der Hoffnung auf zukünftigen wissenschaftlichen Fortschritt, der eine Heilung für sein weit fortgeschrittenes Krebsleiden ermöglicht. Auch heute ist dies die primäre Motivation vieler Kryonik-Anhänger – bereits über 250 Personen haben in zukünftige Chancen investiert.

Im Rahmen des Schwerpunktes Zeitreise Wissenschaft des Radiosenders Ö1 beschäftigt sich die Sendung Dimensionen vom 21. September 2017 mit dem Thema Kryonik. Mit dabei ist auch Prof. Heinz Redl.

Während die Idee der Kryokonservierung des gesamten menschlichen Organismus (in manchen Vorstellungen auch nur Kopf mit dem Gehirn als Zentrum des „Ich“) im Science-Fiction Milieu nicht mehr wegzudenken ist, sehen heutige Experten das Thema kritisch. Das Problem: der Körper ist zu groß und zu verschiedenartig. Obwohl sich seid Bedfords Zeiten, dem damals vor seiner Konservierung bloß DMSO injiziert wurde, die Techniken verfeinert haben, sind nach wie vor toxische Substanzen in Verwendung und dem Einfrieren größerer Organe kommt es zu irreparablen Gefrierbrüchen. Wie ein Auftau funktionieren soll, ist nach wie vor nicht geklärt.

Heinz Redl spricht von funktionierenden Anwendungen der Kryokonservierung, wie sie bereits für Stammzellen und Zellgemische aus dem Körperfett gängige Praxis sind. Beispielsweise können dann dezellularisierte Gewebe mit körpereigenen Zellen wiederbesiedelt werden. Außerdem beschreibt er die Möglichkeit einer Rückprogrammierung von adulten Zellen. Zelluläre Verjüngungsverfahren ersetzen möglicherweise den Traum der Kryoniker, sich im Ganzen einfrieren zu lassen, um den Alterungsprozess zu stoppen.

Mit freundlicher Genehmigung von Ö1 kann die gesamte Sendung hier angehört werden.