Freund und Feind, Wissenschaft und Kunst – Publikation über extrazelluläre Vesikel als Biomarker und Mediatoren bei Sepsis schaffte es aufs Cover von Theranostics

Vielversprechende Aussichten für die Verwendung von extrazellulären Vesikeln bei septischen Patienten, aber nicht ohne Standardisierung bestehender und Entwicklung neuer Untersuchungsmethoden – das sind die Kernaussagen einer aktuellen Publikation des interdisziplinären Teams bestehend aus Dr. Pierre Raeven und den LBI-Wissenschaftern Dr. Johannes Zipperle und Dr. Susanne Drechsler, die kürzlich im internationalen Journal Theranostics veröffentlicht wurde.

Sepsis – das lebensbedrohliche Organversagen durch eine fehlgeleitete Immunantwort bei einer Infektion – betrifft 270 von 100 000 Menschen pro Jahr – und kostet jeden vierten von ihnen das Leben. Die Arbeit von Dr. Raeven und seinen Kollegen konzentriert sich auf das Auffinden verlässlicher Biomarker, also Indikatoren, anhand derer das Auftreten und der Verlauf der Erkrankung vorhergesagt werden können. Extrazelluläre Vesikel (EV) sind winzige Bläschen (30 Nanometer bis einige Mikrometer groß), die von einer Zelle nach deren Aktivierung bei einer Infektion abgegeben werden und an ihrer Oberfläche für ihre Ursprungszelle typische Moleküle tragen. Sie könnten vielleicht solche Indikatoren darstellen.

Mit tatkräftiger Unterstützung von Dr. Osuchowski, dem Leiter der intensivmedizinischen Forschung am LBI Trauma setzen sich die Autoren in ihrer ausführlichen Übersichtsarbeit intensiv mit aktuellen Studien anderer Forschungsgruppen auseinander, die die Rolle der EV bei septischen Patienten beleuchten, mit besonderem Fokus auf der Qualität und der klinischen Brauchbarkeit dieser Studien.

Außerdem diskutieren sie das diagnostische und therapeutische Potential der EV sowie ihre Rolle in der Kommunikation von Zellen.  

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Abwägung der durchaus zwiespältigen Natur der EV – interessanterweise scheinen diese nämlich einen bedeutenden Beitrag zur Immunabwehr leisten zu können, in anderen Fällen jedoch die Entzündungsreaktion weiter voranzutreiben. Der "freundliche" oder "feindliche" Charakter der EV dürfte weitgehend von ihrem zellulären Ursprung und den Molekülen abhängen, die sie an ihrer Oberfläche tragen.

Überdies macht die Fähigkeit, Moleküle zu befördern, EV zu potentiellen Kandidaten, um Medikamente zu transportieren. Dies könnte in Zukunft auch präzisere und individualisierte, auf den jeweiligen Patienten zugeschnittene, Therapieansätze ermöglichen.

Betrachtungen über die Rolle von EV bei Patienten mit speziellen Formen der Sepsis, wie zum Beispiel bei gestörter Blutgerinnung, wenn Bluttransfusionen oder mechanische Beatmung eingesetzt werden müssen, runden diese umfangreiche wissenschaftliche Arbeit ab.

Allen potentiellen diagnostischen und/oder therapeutischen Einsatzmöglichkeiten müssen allerdings auch noch methodische Entwicklungen für die Detektion der EV vorangehen, wie die Standardisierung der bereits verwendeten und die Entwicklung neuer Methoden.

Dass Wissenschaft und Kunst sehr nahe beieinander liegen, zeigte sich bei dieser Publikation darin, dass die Abbildungen von Co-Autor und LBI-Wissenschafter Dr. Johannes Zipperle in Kleinarbeit von Hand gezeichnet und erst am Schluss mittels PC verarbeitet wurden. Der "Vintage Look" begeisterte die Herausgeber von Theranostics und sie belohnten diesen Einsatz mit dem Sprung aufs Titelbild.

(20.07.2018)