Schock für gute Nerven am TERMIS-Weltkongress

(06.09.2018)

Wird ein verletzter peripherer Nerv durch Transplantation eines Nervenstücks behandelt, kann die Auswahl des Transplantat-Typs und der Einsatz von extrakorporaler Stoßwellentherapie (ESWT) die Regeneration des Nervs verbessern und beschleunigen. Diese Ergebnisse seiner Forschungsarbeiten präsentiert LBI-Wissenschafter David Hercher am TERMIS-Weltkongress, der aktuell in Kyoto stattfindet.

Das Team um Mag. Hercher etablierte dafür ein experimentelles Modell eines Defekts im Oberschenkelnerv, das die Situation im klinischen Alltag widerspiegelt. Anhand dessen wurde der Unterschied bei der Verwendung verschiedener Nerven-Typen und der Effekt der ESWT auf die Nervenregeneration in vitro und in vivo untersucht.

Für die in vitro Untersuchungen konzentrierte sich das Team dabei auf die sogenannten Schwann-Zellen. Schwann-Zellen sind spezialisierte Hüll- und Stützzellen im peripheren Nervensystem, die u.a. für die Regeneration der Nervenfortsätze (Axone) nötig sind. In den in vitro Versuchen zeigten sich nun deutliche Unterschiede zwischen Schwann-Zellen aus motorischen und sensorischen Nerven. Schwann-Zellen aus dem motorischen Ast proliferierten weniger und wiesen eine höhere Ausprägung an Myelinisierungsmarkern auf. Schwann-Zellen aus dem sensorischen Ast hingegen wuchsen mehr und zeigten eine geringere Expression jener Marker. Wie die Arbeit zeigt, erhöhte die Anwendung der ESWT jedoch die Proliferation und die Ausbildung von Proteinen, die die Regeneration fördern.

In vivo wurde eine autologe (körpereigene) Nerventransplantation mit einem homotopen ("passenden") oder einem heterotopen ("nicht passenden") Transplantat durchgeführt. Homotop bedeutet, dass die Verletzung eines peripheren, motorischen Nervs mit einem Transplantat aus einem anderen motorischen Nerv versorgt wird. Im heterotopen Versuchsdesign wird die Verletzung des peripheren, motorischen Nervs hingegen mit einem Transplantat aus einem sensorischen Nerv gedeckt.  Anschließend an die Transplantation wurde der nun chirurgisch versorgte Nerv einmalig mit ESWT behandelt. Auch hier zeigten sich Hinweise auf eine geringere Proliferation der Transplantate aus dem motorischen Ast, allerdings regenerierten sich die motorischen Axone im homotopen Versuchsansatz schneller als im heterotopen Versuchsmodell.

Durch den Einsatz der ESWT hingegen konnten sowohl die Proliferation als auch die Geschwindigkeit der Regeneration in beiden Versuchsanordnungen positiv beeinflusst und außerdem eine schnellere funktionale Erholung erzielt werden. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die ESWT auch negative Effekte einer heterotopen Transplantation abmildert.

Herchers Studie zeigt eindrucksvoll, dass die ESWT in der Lage ist, die periphere Nervenregeneration zu beschleunigen. Der Einsatz der ESWT nach einer chirurgischen Versorgung peripherer Nervenverletzungen könnte daher in Zukunft eine therapeutische Optimierung darstellen.